Start:: Presse :: Pressemeldungen

Pressemeldungen

Pflegestudie 2017
Die Positionierung des DPV finden Sie auf den Seiten 34-49.

 

Lesen sie dazu hier

 

Juli 2017

 

TV-Duell: Kein Wort zu Pflege!
Der Pflegenotstand ist in der Politik noch nicht angekommen
4. September 2017


Nach dem gestrigen „TV-Duell“ sind wir von unseren sogenannten Volksparteien maßlos enttäuscht und empört zugleich. Als „Duell“ vermag man die Inszenierung gar nicht bezeichnen, erlebt haben wir einen politischen Höflichkeitsaustausch unter Ausblendung eines der wichtigsten Themen unserer Gesellschaft.
Wir reden von der aktuellen Situation in der Pflege. Die professionell Pflegenden, pflegebedürftigen Menschen als auch Patienten und Ihre Angehörigen leiden zunehmend unter den menschenunwürdigen Rahmenbedingungen. Fachkräftemangel, Pflexit, Pflege am Fließband und Minutenpflege sind hierbei die Stichworte. Diese Umstände führen zur Missachtung von Sicherheits- und Hygienemaßnahmen, gefährden die Patienten-/Bewohnersicherheit und resultieren in vermeidbaren Todesfällen. Die Pflegekräfte arbeiten bereits heute am Limit, mit erheblichen gesundheitlichen Auswirkungen.


Download als PDF

 

Als sei das nicht genug: So wird die Anzahl der Pflegebedürftigen von heute 2,8 Mio. bereits bis 2030 auf 3,5 Mio. zunehmen, Tendenz steigend. Wer soll diese Menschen pflegen oder besser gesagt: Wer soll Sie eines Tages pflegen? Diese Frage sollte sich jeder Bürger stellen, denn mit hoher Wahrscheinlichkeit werden Sie früher oder später mit Pflege konfrontiert werden, als direkt Betroffener oder als pflegender Angehöriger.

Die Beschäftigten in einem medizinischen Gesundheitsberuf zusammengenommen mit den Pflegebedürftigen, Patienten und pflegenden Angehörigen ergeben einen soliden Wählerkreis. Vor diesem Hintergrund ist es verwunderlich, warum sich weder CDU/CSU noch SPD das Wahlthema Pflege auf die Fahne schreiben. Die Wählerstimmen wären Ihnen garantiert. Allerdings müsste man die Wahlversprechen auch liefern - darin könnte die Krux liegen.

Das Resümee aus der 90-minütigen erkenntnislosen Sendung ist ernüchternd: Keine der der Parteien ist bereit die umfänglichen Baustellen in der Pflege anzugehen. Es ist damit zu rechnen, dass die Pflege weiterhin das ungeliebte Stiefkind in der Politik bleibt. Wir vermissen eindeutig das christliche Leitbild der CDU und den sozialen Gedanken der SPD in der Pflegepolitik, zeigten sie doch in der auslaufenden Legislaturperiode partikulare Ansätze im Sinne der Pflege. Wir befinden uns in einem System, das tatenlos dabei zusieht, wie Pflegende ausgebeutet und pflegebedürftige Menschen vernachlässigt werden.

In welcher Gesellschaft wollen Sie leben? Es bedarf einer sofortigen Intervention, denn Pflege geht uns alle an. Informieren Sie sich und leisten Sie Ihren Beitrag dazu.

Deutscher Pflegeverband DPV e.V.

Das darf nicht wahr sein: Fachkräfte sollen durch Hilfskräfte ersetzt werden!

CDU/CSU-Sprecher fordert Absenkung der Fachkraftquote in Pflegeheimen
1. September 2017


Nach der Forderung von Erwin Rüddel, pflegepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, die Fachkraftquote in der Pflege zu senken, fühlen wir uns verpflichtet, die Bevölkerung zu warnen.

Zitat von Herrn Rüddel: „Dadurch kann die Quote der Pflegefachkräfte von 50 Prozent abgesenkt werden auf mindestens 40 Prozent, sofern im Gegenzug Fachkräfte wie beispielsweise Ergotherapeuten oder Pflegekräfte mit einer zweijährigen Ausbildung eingesetzt werden und maximal 40 Prozent der Beschäftigten für Pflege- und Betreuungsleistungen der stationären Einrichtung angelernte Kräfte sind. D.h. 10 Prozent der Fachkraftquote können ersetzt werden durch mindestens zweijährig ausgebildete Pflegekräfte.“

Wir fragen uns, von wem er zu seinen Äußerungen inspiriert wurde. Denn ein Arbeitgeberverband hatte erst vor einigen Wochen eine Lockerung der Fachkraftquote gefordert (Pressemeldung vom . Wir sehen es sehr kritisch und gefährlich, dass der pflegepolitische Sprecher der CDU/CSU sich dermaßen auf die Seite der Arbeitgeber schlägt. Eine Absenkung der Fachkraftquote ist alleinig für Arbeitgeber profitabel, weil das Gehalt für Hilfskräfte deutlich niedriger als das für examinierte Fachkräfte ist


Download als PDF

 

An dieser Stelle möchten wir mit den folgenden Fakten an Herrn Rüddel appellieren: Die Fachkraftquote von 50% stammt aus den 90-er Jahren als das Pflegeversicherungsgesetz eingeführt wurde. Damals hatten wir in den Heimen überwiegend Bewohner im klassischen Sinne, heute müssen die Pflegenden schwerstkranke und stark pflegebedürftige Menschen versorgen. Somit ist eine Erhöhung der Fachkraftquote aufgrund gestiegener Anforderungen die logische Forderung.

An Herrn Rüddel: Wir erwarten sinnvolle Maßnahmen, um dem Fachkräftemangel Herr zu werden. So sollte wissenschaftlich evaluiert werden, wie viel Personal und mit welcher Qualifikation tatsächlich benötigt wird, um eine menschenwürdige Pflege zu gewährleisten. Sie haben noch die Chance ein solches Verfahren anzustoßen. Auch im Wahlprogramm Ihrer Partei, der CDU/CSU, fehlen messbare Zahlen und Maßnahmen für eine Verbesserung der derzeitigen Situation in der Pflege. So lautet doch der CDU-Slogan: Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben.

Forderungen zur Bundestagwahl 2017

20.07.2017


Das muss sich in der Pflege ändern!

August 2017


Download als PDF

 

DPV-Positionierung und Irseer Erklärung
Gesetz zur Errichtung einer Vereinigung der Pflegenden in Bayern

20.07.2017


An die Staatsministerin Melanie Huml

Sehr geehrte Frau Ministerin Huml,

im Kontext der Ihnen vom Bayerischen Landespflegerat BLPR zugeleiteten Irseer Erklärung unterstreichen wir als Mitgliedsverband des BLPR auf diesem Wege unsere klare Absage zur Beteiligung am Gründungsausschuss zur Errichtung einer Vereinigung der Pflegenden in Bayern (Pflegedenvereinigungsgesetz).
Die Gründe der ablehnenden Haltung unserseits und der Partnerverbände sind Ihnen hinlänglich bekannt.

Download als PDF

 

Es ist sehr bedauerlich, dass der 2011 begonnene konstruktive Weg im Rahmen eines Bündnisses für Pflegekammer von Ihnen verlassen wurde und es jetzt zu einer Anti-Selbstverwaltungsstruktur per Gesetz kam.

Wir fordern Sie nochmals auf, dem damaligen mehrheitlichen Votum der professionell Pflegenden in Bayern zu folgen und eine Pflegekammer, im Bayerischen Heilberufekammergesetz verankert, zu implementieren. Nur so ist auch eine bundesrepublikatische Kompatibilität mit der bereits bestehender Pflegekammer in Rheinland-Pfalz und den weiteren Pflegekammern in Gründung in Schleswig-Holstein und Niedersachsen gegeben.

Mit freundlichen Grüßen

Martina Röder (Vorsitzende), Rolf Höfert (Geschäftsführer), Ivonne Rammoser (DPV-Delegierte im BLPR)

An die Fraktionsvorsitzenden der Partei

19. Mai 2017


Sehr geehrte Damen und Herren,
Berlin sozial und gerecht!
Berlin für Jung und Alt!
Bürgerbeteiligung!

So, oder so ähnlich haben Sie im Wahlkampf um Stimmen geworben.
Slogans, die durchaus auch unsere Zustimmung finden.
Nun stecken Sie mitten in den Koalitionsverhandlungen und dabei möchten wir Sie mit unserer Fachkompetenz unterstützen. Als Expertinnen und Experten in Fragen Gesundheit und Pflege sind wir der Ansprechpartner für Berliner Bürgerinnen und Bürger.

Download als PDF

 

"Sozial und gerecht" - das bedeutet den Zugang zu Pflegeleistungen für alle Menschen, die darauf angewiesen sind, sicher zu stellen. Doch der Zugang umfasst viel mehr als die reine Verfügbarkeit von Pflege – wir benötigen die Festlegung verbindlicher Qualitätsstandards und deren Einhaltung.

Unabhängig von Arbeitgeber- und Kostenträgerinteressen würde hier eine selbstbestimmte Pflege in Berlin durch eine Pflegekammer genau diese Qualitätsstandards formulieren und durch Überprüfung sicherstellen. Die Qualitätsverpflichtung würde schon in der Berufsordnung verankert werden und sich über verpflichtende Fortbildungen für Pflegende fortsetzen. Sicherheit für auf Hilfe angewiesene Bürgerinnen und Bürger ist nicht nur sozial, sondern auch ein (Grund-)Recht.

"Berlin für Jung und Alt" bedeutet, jungen Menschen eine Perspektive zu geben und älteren BürgerInnen im Falle psychischer und/oder körperlichen Einschränkung mit individuellen Hilfsangeboten zu unterstützen.

Schluss mit dem Dauerfasten in der Pflege!

5. April 2017

In den nächsten Tagen endet für viele Bürgerinnen und Bürger die Fastenzeit. Religiös motiviertes Fasten ist zeitlich befristet und Festtagen vorgeschaltet.
Die Pflegenden in Deutschland arbeiten nunmehr seit vielen Jahren im Zustand des
Dauerfastens im Hinblick auf den Verzicht auf ausreichend Kolleginnen und Kollegen und sind nun am Limit angekommen.

Download als PDF

 

Zigtausend abgebaute Planstellen in den Krankenhäusern in den letzten Jahren und eine fehlende Perspektive der Veränderung zeigen schon jetzt umfängliche Fehlentwicklungen in Krankenhäusern, Altenheimen und ambulanten Pflegediensten.

Bei den physischen und psychischen Nebenwirkungen, wie Stoffwechselerkrankungen, Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, Depressionen und Burnout ist ärztliche Hilfe angesagt, behebt jedoch nicht die Ursachen.

Einzige Prävention und Therapie zu den aktuellen und perspektivischen Schäden des Dauerfastens in der Personalsituation muss durch dringende politische Entscheidungen erfolgen. Ursachen und Symptome sind umfänglich bekannt.

Umso mehr ist zu begrüßen, dass das Rheinlandpfälzische Sozialministerium jüngst die Forderung der Heimbetreiber für eine Lockerung der Fachkraftquote zurückgewiesen hat. Eine Fachkraftquote, die nunmehr seit 22 Jahren Grundlage der pflegerischen Versorgung in stationären Pflegeeinrichtungen ist.

Jeder von Ihnen wird bestätigen, dass in den 22 Jahren sich die Bewohnerstruktur in den Pflegeheimen vom "klassischen Wohnen" zur intensivpflegerischen Versorgungseinheit verändert hat.

Nach Bedarfseinschätzung fehlen der Pflege heute jährlich 4,5 Milliarden Euro, um eine qualifizierte, pflegerische Versorgung zu garantieren. Trotz der partikularen Verbesserungen in der jüngsten Vergangenheit, verdeutlicht diese Zahl doch eingehend den zukünftigen Handlungsbedarf. Es ist an der Zeit das stark politisch vernachlässigte Thema Pflege wieder "gesund zu pflegen". Und das im Sinne der beruflich Pflegenden, pflegenden Angehörigen und nicht zu vergessen, der Pflegebedürftigen und Patienten.

Also Ende mit dem Dauerfasten und Ihnen allen ein Frohes Osterfest!

Generalistische Pflegeausbildung
Verschoben, Kompromiss oder doch geplatzt, was ist denn nun?

30. März 2017


Seit fast einem Jahr herrscht innerhalb der Koalition Streit über die Pflegeausbildung und es geht in die nächste Runde.

Vermeintliche Einigung zum Pflegeberufegesetz
Nun sollte am 28. März 2017 im Rahmen eines gemeinsamen Pressestatements mit Dr. Georg Nüßlein (Stellv. Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion) und Prof. Dr. Karl Lauterbach (Stellv. Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion) eine Einigung in Form eines Alternativvorschlages zum Pflegeberufsgesetz vorgestellt werden. Doch es kam anders: die
Unions-Fraktion trat allein vor die Presse, während der SPD Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nicht erschienen ist.

Download als PDF

 

Lauterbach fehlte das Verhandlungsmandat seiner Fraktion

Grund hierfür ist, dass Lauterbach in seine Fraktionssitzung zurück musste. Dort hatte man weiteren Klärungsbedarf, nachdem am Nachmittag bereits Volker Kauder (Fraktionschef der Union) den Alternativvorschlag zum Pflegeberufsgesetz als das "sichere Ergebnis" verkündet hatte, was nicht abgesprochen gewesen sei, meldet die Nachrichtenagentur dpa. Auch das Bundesfamilienministerium soll sich gegen den Kompromiss gestellt haben, so das "Ärzteblatt".

Unionsvize Nüsslein zelebrierte den internen Streit des Koalitionspartners mit den Worten: "In der SPD sind sie wohl noch kräftig am diskutieren über den Kompromiss, den wir heute Mittag gefunden haben." Er präsentierte die Einigung deshalb als Solovorstellung. "Als wir hier heute gemeinsam eingeladen haben, dachte ich, Kollege Lauterbach hat Prokura von seiner Partei.", berichtet BibliomedPflege.

Das wäre der Alternativvorschlag

Die ursprüngliche Forderung des Berufstandes besteht darin, die bisherigen drei Ausbildungszweige Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und Altenpflege zu einer gemeinsamen generatistischen Ausbildung mit jeweiliger fachlicher Vertiefung zusammenzuführen.

Der geplatzte Alternativvorschlag sah vor:

  • Die Gesundheits- und Krankenpflege sollte durch die generalistische Ausbildung ersetzt werden.
  • Die Altenpflege sowie die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sollten erhalten bleiben. In den ersten beiden Jahren sollte auch dort generalistisch ausgebildet werden. Danach könnten sich die Auszubildenden entscheiden, ob sie im dritten Jahr einen generalistischen Abschluss anstreben oder sich direkt für die Alten- oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflege qualifizieren lassen wollen.

Fazit - Die Generalistik ist wichtig und richtig

Der Alternativvorschlag sollte offenbar alle Interessen bedienen. Die generalistische Ausbildung soll eingeführt werden und irgendwie sollen auch die drei Ausbildungszweige weiterhin erhalten bleiben. Das Hoffen und Bangen für die Pflege geht somit in die nächste Runde. Der Deutsche Pflegeverband betont nochmals die Wichtigkeit einer generalistischen Ausbildung: Mit der Reform wird dem Fachkräftemangel begegnet und die Pflegeprofession wird als solche attraktiver für Schulabgänger. Gleichzeitig erhöht sich die horizontale und vertikale Durchlässigkeit im Bildungssystem bei zusätzlichen Einsatz- und Aufstiegsmöglichkeiten.

Insbesondere im Hinblick auf die zunehmende Multimorbidität älterer Menschen in Altenpflegeheimen und Patienten mit eingeschränkter Alltagskompetenz in Krankenhäusern ist eine Gesamtkompetenz der Pflegenden dringend erforderlich. Mit der Einführung der generalistischen Ausbildung wird den geänderten Anforderungen an das Pflegepersonal entsprochen.

Dabei müssen die Abgeordneten mit der Einführung einer generalistischen Ausbildung keinesfalls das Rad neu erfinden. Ein Blick über den eigenen Tellerrand bzw. in diesem Fall über die Grenzen Deutschlands lohnt sich. Die Generalistik ist in zahlreichen EU-Ländern mit einer gut funktionierenden Pflege Standard.

Benachteiligung der stationären Einrichtungen

Die Begleitung zu Ärzten ist ab sofort unentgeltliche Regelleistung der Heimbetreiber in NRW

30. August 2016

Stellungnahme des Vorstandes des Deutsches Pflegeverbandes
Anlass für diese Stellungnahme ist das Schreiben des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter MGEPA des Landes Nordrhein-Westfalen Aktenzeichen 415-5427 vom 20. Juni 2016 an die Träger von Heimbetrieben hinsichtlich der Regelung des Wohn- und Teilhabegesetzes in Bezug auf die Begleitung von BewohnerInnen zur Ärztin/zum Arzt.
Diese Problematik ist bundesweit von Bedeutung.

Download als PDF

 

Unentgeltliche Belastung für stationäre Einrichtungen

Es wird postuliert, dass die Begleitung von Bewohnern durch Beschäftigte der stationären Pflegeeinrichtungen ab sofort als Regelleistung von den Einrichtungen zu erbringen ist, was die Erhebung eines Zusatzentgeltes durch den Heimbetreiber ausschließt.

Hintergrund ist das Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes vom 24. März 2015, mit Verweis auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichtes (BVerwG, Beschluss vom 28.05.2014 AZ.8B71/13 und Urteil vom 02.06.2020 Az.8C24/09), demzufolge die Begleitung von Bewohnern zu einem Arzttermin als Regelleistung zu behandeln ist.

Gleichzeitig wird eine Vorrangigkeitsregelung festgelegt. Diese besagt, dass die Verpflichtung der Ärzte zum Besuch in der Einrichtung gegenüber der Verpflichtung der Einrichtung zur Begleitung zum Arzt, vorrangig ist. Vorrangig der Begleitung durch die Einrichtung ist die Begleitung durch Angehörige oder Ehrenamtliche. Diese Vorrangigkeit muss durch die Einrichtung organisiert und sichergestellt werden. An dieser Stelle ist mit einem Rückgang der Bereitschaft des ehrenamtlichen Engagements zu rechnen, da seitens der Einrichtung bestimmte Tätigkeiten fokussiert werden müssen (hier: Begleitung zu Arztterminen). Dies schränkt das Wesen der Ehrenamtlichkeit deutlich ein, welches Freiwilligkeit, persönliche Präferenzen und Individualität verkörpert. In diesem Zusammenhang sehen wir eine unangemessene Bindung des Ehrenamtes, was in dieser Form für uns nicht vertretbar ist.

Eine gesetzliche Regelung, ob die Begleitung zum Arzt als Regelleistung zu sehen ist, existiert nicht, denn die Ausgestaltung der Rahmenverträge überlässt der Gesetzgeber den Verhandlungspartnern auf Landesebene. Dieses Thema führte schon in mehreren Bundesländern zum Streit mit der Heimaufsicht und wurde von den verschiedenen Verwaltungsgerichtshöfen unterschiedlich beurteilt. So ging der VGH Baden-Württemberg (Urteil vom 09.07.2012 AZ 6S773/11) bei der Begleitung zu Ärzten von einer Zusatzleistung aus.

Resultierende Problematiken

Die vorliegende Entscheidung des MGEPA bedeutet für Heimbetreiber und deren MitarbeiterInnen ohne eine Berücksichtigung der Leistung in den Pflegesätzen eine unzumutbare personelle und finanzielle Belastung. Die entsprechenden Ressourcen sind nicht vorhanden.

Zur Realisierung der "Vorrangigkeits-Regelung" ist es erforderlich, dass Ärzte nachweisen müssen, warum es ihnen nicht möglich ist, ihrem Sicherstellungsauftrag nachzukommen. Mangelnde finanzielle Anreize oder organisatorische Gründe dürfen dabei keine legitime Begründung sein. Hier steht die Kassenärztliche Vereinigung in der Pflicht über ihre niedergelassenen Vertragsärzte, ihren gesetzlichen Sicherstellungsauftrag zu erfüllen.

Weiter ergeben sich aus der "Vorrangigkeits-Regelung" haftungsrechtliche Unklarheiten für den Heimbetreiber. So z.B. bei der Beurteilung der Notwendigkeit der Begleitung durch eine Hilfs- oder Fachkraft bzw. gar einer ehrenamtlich tätigen Person. Offen ist die Frage, wer im Schadenfall haftet, wenn ein Bewohner bspw. in Begleitung einer ehrenamtlichen Person zu Schaden kommt. Die Befürchtung liegt nahe, dass die Einrichtung als Organisator in die Pflicht genommen wird. Ist für die Begleitung eine Fachkraft erforderlich, reduziert sich die Anzahl der Pflegefachkräfte in der Einrichtung für den Zeitraum der Begleitung. Gleichzeitig wird es seitens der Pflegekassen als unwirtschaftlich eingestuft, wenn stationäre Pflegeeinrichtungen mehr als das zwingend erforderliche Fachpersonal vorhalten. Der Personalmangel in den Pflegeeinrichtungen wird durch die Entscheidung des MGEPA nochmals verschärft.

Die bisherige Erfahrung zeigt, dass Angehörige eine hohe Bereitschaft aufbringen, die Begleitung zum Arzt selbst zu übernehmen. Dies ist nicht zuletzt dem Passus in den Heimverträgen geschuldet, dass diese Leistung nur gegen ein Entgelt vom Heim erbracht wird. Da die Begleitung nun jedoch als Regelleistung des Heims eingestuft wurde und somit der besagte Passus aus den Heimverträgen zu streichen ist, rechnen wir mit einem starken Rückgang der Bereitschaft seitens der Angehörigen. Angehörige haben nicht mehr die Wahlfreiheit zu entscheiden, ob sie diese Leistung selbst erbringen möchten oder nicht. Es muss davon ausgegangen werden, dass Angehörige sich vermehrt dafür entscheiden ihre pflegebedürftigen Familienmitglieder nicht mehr zu Arztterminen zu begleiten, da für eine Leistung (privat finanzierter Anteil der Pflegesätze) eine Gegenleistung (hier: Begleitung zu Arztterminen) erwartet wird.

Können oder wollen die Angehörigen die Begleitung nicht übernehmen, muss die Einrichtung eigene Beschäftigte oder externe Dienste beauftragen und bleibt auf den Kosten dafür sitzen. Damit verschärfen sich die negativen Arbeitsbedingungen von Pflegekräften in stationären Pflegeeinrichtungen zunehmend, da Leistungen zu erbringen sind, ohne dass diese in Personal- und Pflegesatzverhandlungen Berücksichtigung finden. Konkret bedeutet dies: zusätzliche Leistungen bei gleichem Personal. Da es sich bei der Begleitung zu Arztterminen um eine sehr zeitintensive Leistung handelt, kann von einer impliziten Personalreduzierung gesprochen werden. Durch die 1:1 Betreuung eines Bewohners während der Begleitung zum Arzt, wird der Personalschlüssel für die in der Einrichtung verbleibenden Bewohner bspw. von 1:10 auf 1: 13,3 verschlechtert.

Handlungsempfehlung - Forderung des DPV

Es bedarf einer eindeutigen und verbindlichen Regelung in den jeweiligen Landesrahmenverträgen, dass die Begleitung zum Arzt durch Beschäftigte des Heimbetreibers eine Zusatzleistung darstellt. Ansonsten erachten wir eine Neuverhandlung der Pflegesätze für notwendig, in der die zusätzlichen Kosten für Begleitung anzusetzen sind. Hier ist es ratsam die geleisteten Begleitungen zu dokumentieren, um den Umfang der Belastungen für die Einrichtung belegen zu können. Die Neuregelung der Stellenberechnung ist wegen dieser weiteren zusätzlichen Tätigkeit der Pflegepersonen von 2020 auf das Jahr 2017 vorzuziehen.

Die Vorrangigkeits-Regelung ist nur dann sinnvoll, wenn die Ärzte entsprechend des Sicherstellungsauftrags (KV) in die Pflicht genommen werden. Die neuen abrechenbaren Leistungen für Ärzte zur Kooperation mit Pflegeheimen und extern budgetierte Honorierungen nach Kapitel 37 EBM, SGB V, müssen mehr genutzt werden. Ansonsten hat der MGEPA mit seiner Entscheidung die bereits angespannte Personalsituation in stationären Einrichtungen zunehmend verschärft.

Der Deutsche Pflegeverband sieht in dieser Entwicklung eine unangemessene Belastung der stationären Einrichtungen und der dort tätigen Pflegekräfte.

  • TV-Duell: Kein Wort zu Pflege!
  • Das darf nicht wahr sein: Fachkräfte sollen durch Hilfskräfte ersetzt werden!
  • Forderungen zur Bundestagwahl 2017
  • DPV-Positionierung und Irseer Erklärung
    Gesetz zur Errichtung einer Vereinigung der Pflegenden in Bayern
  • An die Fraktions-vorsitzenden der Partei
  • Schluss mit dem Dauerfasten in der Pflege!
  • Generalistische Pflege-ausbildung
    Verschoben, Kompromiss oder doch geplatzt, was ist denn nun?
  • Benachteiligung der stationären Einrichtungen